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Prisoner

Ich denke, die Expressionisten haben recht. Städte sind grausam, hässlich, stickig und voll. Jeder ist hier einsam, alle hängen sie nur an ihren Smartphones, mit dem Kopf in der virtuellen Welt - man nimmt nicht mehr das Wesentliche wahr, die Dinge um einen herum, man ist geistig ganz im Äther versunken...

Auch ich zähle dazu, mit meiner sensationell hilfreichen selektiven Wahrnehmung. Ich fühle mich eingesperrt, nein, eher bedrängt, getrieben zu den Dingen, von denen ich denke, dass ich sie tun muss, Und dann stehe ich an der Bahnstation, schaue in die Alleen und in den Himmel und fühle mich plötzlich befreit. Als würde jemand ein Tuch über meinem Kopf anheben, meine Sicht erweitern. Aber das hält nie lange an, ich muss mir es immer erst neu bewusst machen... Sekunde für Sekunde. Und dann halte ich es nicht lange aus, widme mich wieder dem Tagesgeschäft und bin sofort wieder in meinem drückenden, dröhnenden Kopf gefangen.

 

Georg Heym

Der Gott der Stadt

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
die letzten Häuser in das Land verirr'n.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
die grossen Städte knieen um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

Wie Koybanten-Tanz dröhnt die Musik
der Millionen durch die Strassen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkle seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
durch eine Strasse. Und der Glutqualm braust
und frisst sie auf, bis spät der Morgen tagt.

 

30.1.14 23:37
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andreas / Website (31.1.14 06:27)
Hey, dieser eine Moment reicht aus, der dir zeigt dass es mehr gibt. Im Trott gefangen ist jeder, aber nicht jeder weiß das es noch etwas anderes gibt. Immer wenn du sowas schreibst möchte ich dich entführen und mitnehmen an einen ort der anders ist, schöner. Selektive Wahrnehmnung hat machmal etwas für sich; oft ist es auch eine Notwendigkeit. Das Gedicht ist wunderschön. Ja, im Moment sehe ich die Stadt auch so.Liebe Grüße!

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